
Nachhaltigkeit als Zukunftsauftrag
Wie Tourismus NRW den Wandel gestaltet
Mit der Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW treibt Tourismus NRW die Umsetzung einer landesweiten Nachhaltigkeitsagenda voran. Bis Ende 2026 sind voraussichtlich mehr als die Hälfte der Landesfläche als nachhaltige Reiseziele zertifiziert. Innovative Use Cases, gezielter Wissenstransfer und ein ganzer Strauß an Tools und digitalen Werkzeugen machen das Thema dabei für Betriebe greifbar.
Nordrhein-Westfalen hat in Sachen Nachhaltigkeit ehrgeizige Ziele. Im Einklang mit dem europäischen Green Deal will das Bundesland bis 2045 klimaneutral werden. Und diese Zielmarke verändert auch den Tourismus grundlegend. „Als bedeutender Wirtschaftszweig trägt er Verantwortung, kann aber auch ein Gefühl dafür vermitteln, dass Nachhaltigkeit nicht Verzicht bedeutet. In vielen Bereichen gewinnt man eher, nämlich an Intensität und Qualität. Deshalb ist Tourismus der Nachhaltigkeitsbotschafter schlechthin“, sagt Dr. Heike Döll-König, Vorstandsvorsitzende des Tourismus NRW e.V. Mit der Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW setzt man dafür seit 2024 ein landesweit wirksames Zukunftsprojekt um, das Akteure, Regionen und Betriebe gleichermaßen stärkt.
Genau betrachtet, hat man sich aber schon früher auf den Weg gemacht: Schon seit Beginn des Landesmarketings 2011 verknüpft Tourismus NRW touristisches Wachstum mit Gesundheits- und Aktivthemen sowie Umweltbildung und Barrierefreiheit. Die gesellschaftliche Neubewertung von Reisen durch Initiativen wie Fridays for Future und die Coronazeit hat diesen Kurs nur bestätigt: Umweltbewusstsein, regionale Wertschöpfung und Resilienz gehören heute unbestritten zu den maßgeblichen Erfolgsfaktoren des Tourismus.
Das mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung und des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützte Projekt Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW läuft nun noch bis Ende dieses Jahres. Ziel ist eine touristische Nachhaltigkeitsagenda, die den strategischen Rahmen für klimafreundliche, wirtschaftlich tragfähige und sozial gerechte Tourismusentwicklungen im Reiseland NRW schafft. Parallel werden Use Cases erarbeitet, die exemplarisch zeigen, wie nachhaltige, attraktive und marktfähige Angebote aussehen können. Diese Modellbeispiele sind nicht als Einzelmaßnahmen angelegt, sondern als komplexe Angebotsbündel, die Komfort, Erlebnisqualität und Nachhaltigkeit vereinen und als Blaupause für Destinationen dienen, die ähnliche Produkte entwickeln und vermarkten wollen.

Wir wollen den Wandel hin zu einem klimaschonenden und sozialverträglichen Tourismus in NRW gemeinsam vorantreiben – im Freizeit- ebenso wie im Geschäftsreisesegment. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis für die notwendigen Veränderungen, eine klare Agenda und die Bereitschaft der Branche, diese entschlossen und wirkungsorientiert umzusetzen.
Klar ist dabei: Die involvierten Partnerstädte und -regionen setzen eigene Schwerpunkte entlang der drei Nachhaltigkeitssäulen Ökologie, Soziales und Wirtschaft. Dabei werden lokale Betriebe eingebunden, um regionale Wertschöpfung und Authentizität zu fördern. Ein besonderer Fokus liegt auf einer klimafreundlichen Mobilität sowie der Verlängerung von Aufenthaltszeiten, da längere Reisen den durchschnittlichen CO₂-Fußabdruck pro Tag senken. Denn der Großteil der Emissionen entfällt auf An- und Abreise. Kulturelles Erbe, Inklusion und Barrierefreiheit werden darüber hinaus als selbstverständliche Bestandteile verstanden. Das Ziel: „ein verantwortungsbewusster Tourismus, der Lebensqualität für Gäste und Einheimische gleichermaßen bietet“, so Döll-König.
Namhafte touristisch geprägte Regionen sind bereits Vorreiter: So sind die Nordeifel, das Sauerland, Siegen-Wittgenstein sowie die Urlaubsregion Teutoburger Wald bereits von TourCert als „Nachhaltige Reiseziele“ zertifiziert. Wenn bis Ende 2026 noch das Münsterland, das neanderland und der RuhrtalRadweg als erster Fernradweg Deutschlands das renommierte Siegel erhalten, ist mehr als die Hälfte der Landesfläche anerkannt nachhaltiges Reiseziel.
Besonders im Fokus der zu entwickelnden Nachhaltigkeitsagenda: das Thema Mobilität, die den Großteil des touristischen CO₂-Ausstoßes ausmacht. Sämtliche Orte der Use Cases sind daher an den ÖPNV angebunden. Kampagnenseiten integrieren Ticketlösungen wie das Deutschlandticket oder landesweite Tarife wie eezy.nrw unmittelbar, um nachhaltige An- und Abreise zu erleichtern. Auch während des Aufenthalts sollen Gäste bevorzugt klimafreundliche Verkehrsmittel nutzen, u.a. durch Nutzung von Gästekarten mit inkludiertem Nahverkehr.
Die Nachhaltigkeitswerkstatt vereint praxisnahe Instrumente, die Betriebe bei der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützen
Wie Tourismus NRW Nachhaltigkeit sonst noch versteht? Als branchenweite Lernaufgabe! Die Nachhaltigkeitswerkstatt vereint deshalb praxisnahe Instrumente, die Betriebe bei der Umsetzung ihrer Ziele unterstützen. Ein herausragendes Element in Sachen Wissensvermittlung ist dabei der neue KI-gestützte Chatbot „Toni“. Die virtuelle Expertin ist auf dem verbandseigenen Branchenportal tourismusverband.nrw integriert und macht das bislang verstreute Wissen zur Nachhaltigkeit leicht zugänglich. „Statt sich durch zahlreiche Dokumente oder Leitfäden zu arbeiten, können Nutzer ihre Fragen direkt an Toni richten“, erklärt Heike Döll-König. Die Antworten basieren auf den geprüften Daten aus dem Data Hub NRW und auf der Wissensdatenbank des Verbands, sodass eine hohe inhaltliche Verlässlichkeit gewährleistet ist. Zum Start liegt der thematische Fokus auf Nachhaltigkeit, „perspektivisch können wir Toni aber auch zu weiteren Themen ausbauen“, so Döll-König. Ein intuitiver Förderwegweiser erleichtert als weiteres Instrument den Überblick über passende Finanzierungsprogramme. Und wer anschließend nicht weiß, wie er die eigenen Fortschritte gegenüber den Gästen darstellen soll, erhält Hilfe durch eine „Kommunikationstoolbox“, die konkrete Anwendungstipps für eine transparente, wie zeitgemäße Nachhaltigkeitskommunikation enthält.
Wer persönliche Beratung bevorzugt, erhält Unterstützung von den Transformationscoaches wie Anna-Lena Krannich vom Dehoga NRW. Als Partner der Nachhaltigkeitswerkstatt und ebenfalls gefördert vom Landeswirtschaftsministerium, bieten sie gastgebenden Betrieben kostenfreies und neutrales Know-how für die digitale und nachhaltige Transformation. Die Coaches beraten individuell zu Themen wie Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Fördermitteln, Digitalisierung und Zertifizierungen. „Ziel ist es, Gastronomie und Hotellerie fit für Zukunft und Klimaschutz zu machen – praxisnah, lösungsorientiert und mit einem Fokus auf regionale Wertschöpfung“, sagt Krannich.
Und wie wird der Erfolg der Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW gemessen?
Nicht allein an Projektergebnissen, sondern auch in der Stärke der Zusammenarbeit. Wir wollen ein Netzwerk knüpfen, das Nachhaltigkeit positiv erlebbar macht. Die Ergebnisse unserer Arbeit müssen als das schönere, bessere, attraktivere Produkt daherkommen. Und hoffentlich auch als das besser gebuchte. Das alles braucht ein gemeinsames Monitoring, neue KPIs und innovative Ansätze, auch im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit. Das werden wir in einer neuen Landestourismusstrategie noch weiter ausführen.
Parallel zur inhaltlichen Arbeit wurde auch die Marke DeinNRW weiterentwickelt und erstmals das Thema Nachhaltigkeit explizit integriert. Nachhaltige Entwicklung wird dabei nicht als Einschränkung, sondern als Qualitäts- und Profilmerkmal verstanden. Damit positioniert sich Nordrhein‑Westfalen klar als zukunftsfähiges, verantwortungsbewusstes Reiseland, das ökologische Verantwortung, touristische Qualität und ein faires Miteinander zusammenbringt.
Nachhaltigkeitswerkstatt.NRW auf einen Blick
Laufzeit: 1.1.2024 – 31.12.2026
Projektziele:
- Erstellung einer touristischen Nachhaltigkeitsagenda für Nordrhein-Westfalen
- Bildung eines Knowledge Hub mit Wissenstransferfunktion - Unterstützung von Transformationsprozessen auf Destinationsebene
- Modellhafte Entwicklung nachhaltiger Tourismusprodukte und -angebote
- Zielgruppengerechte Kommunikation nachhaltiger Tourismusprodukte - Aufnahme in die bundesweite Exzellenzinitiative Nachhaltige Reiseziele