
Impulse, Innovationen, Identität
25 Jahre Tourismus Niedersachsen
Aus der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH wird im Jubiläumsjahr die Tourismus Niedersachsen GmbH. Geschäftsführerin Meike Zumbrock über die Ergebnisse des gerade beendeten Zukunftsprozesses, den Wandel zur Netzwerkorganisation mit hoher digitaler Kompetenz, und warum Tourismus kein isoliertes System ist, sondern Teil regionaler Entwicklung sein muss.
Die TMN feiert dieses Jahr ihren 25. Geburtstag: Was waren in dieser Zeit die größten Veränderungen für die Organisation?
Zumbrock: Wir haben uns von einer klassischen Marketinggesellschaft hin zu einer strategisch agierenden Netzwerkorganisation entwickelt. Früher standen Prospekte, Messen und Kampagnen im Mittelpunkt – heute verstehen wir uns als Berater, Wissensmanager und Innovator. Wir treiben technologische Entwicklungen voran, bündeln Wissen und vernetzen Partner im Land. Diese Transformation hin zu einer lernenden Organisation, die Impulse setzt und Wissen teilt, war der größte Wandel – und die Basis, um Niedersachsen als innovativste Tourismusregion Deutschlands zu positionieren.
Ziel ist immer eine gemeinsame touristische Gesamtstrategie, die sich an wirtschaftliche Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen anpasst und ressortübergreifend im Land verankert ist.
Sie haben als Landesorganisation gerade einen Zukunftsprozess hinter sich: Was genau sind die Ergebnisse – und was verändert sich dadurch für die künftige Arbeit?
In drei Arbeitsgruppen – „Marketing & Kommunikation“, „Nachhaltigkeit & Mobilität“ sowie „Digitalisierung“ – haben Vertreter aus DMO-Geschäftsführungen, Ministerien, Verbänden und Organisationen gemeinsam die Schwerpunkte für die kommenden Jahre definiert. Der Prozess wurde extern durch Realizing Progress begleitet und fließt direkt in die Landesstrategie ein. Für uns bedeutet das: mehr operative Tiefe, ein ressortübergreifender Ansatz und eine klare Fokussierung auf datengetriebene Entscheidungen, nachhaltige Entwicklung und digitale Transformation. Dass wir längst mehr als eine Marketingorganisation sind, wird zudem ab sofort durch einen neuen Namen sichtbar: Aus der TMN wird die Tourismus Niedersachsen GmbH.
Mehr operative Tiefe, ein ressortübergreifender Ansatz und eine klare Fokussierung auf datengetriebene Entscheidungen, nachhaltige Entwicklung und digitale Transformation
Strategien für ganz Niedersachsen zu entwickeln, stelle ich mir durchaus komplex vor. Wer sitzt bei solchen Prozessen mit am Tisch?
Unsere Strategien entstehen kollaborativ. Neben den Geschäftsführern und Fachleuten aus den DMOs arbeiten Vertreter von Ministerien, Verbänden und weiteren Organisationen mit – und alle tragen ihre spezifische Perspektive bei. Wir fungieren dabei als Moderatorin und Impulsgeberin. Wir sorgen dafür, dass Ergebnisse aus Forschung, Marktanalysen und Trendbeobachtung Eingang in den Prozess und die Diskussion finden. Ziel ist immer eine gemeinsame touristische Gesamtstrategie, die sich an wirtschaftliche Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen anpasst und ressortübergreifend im Land verankert wird. Das gelingt uns in Niedersachsen sehr gut.
Bitte führen Sie folgende Sätze zu Ende:
Die Rolle als Landesorganisation ist heute…
strategischer Impulsgeber, Innovationstreiber und Wissensvermittler – mit einer starken Verantwortung für Prozessoptimierung im ganzen Land.
Unsere Managementaufgabe für die lokale Ebene endet da, wo…
Destinationen eigenverantwortlich operativ tätig werden. Wir verstehen uns als Partner, nicht als Steuerungszentrale.
Im Vergleich zu früher ist die Zusammenarbeit mit Partnern heute…
netzwerkorientierter, offener und von gegenseitigem Vertrauen und Lernen geprägt – wir arbeiten gemeinsam an Lösungen, nicht nebeneinanderher.
Wie priorisieren Sie bei so vielen Aufgaben und wo liegen derzeit Schwerpunkte?
Unsere Prioritäten liegen in der Digitalisierung vom Daten-Hub bis zur KI-Anwendung, in der Weiterentwicklung von datenbasiertem Marketing, Zielgruppenanalysen und im Wissenstransfer im Land. Wir investieren gezielt, um Prozesse zu optimieren, datengetriebene Entscheidungen zu ermöglichen und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Weitere Schwerpunkte sind Qualität, Nachhaltigkeit und Mobilität. Dabei agieren wir vorausschauend, nutzen Markt- und Trendforschung sowie Zukunftsstudien, um die Bedürfnisse unserer Zielgruppen präzise zu verstehen und daraus strategische Maßnahmen abzuleiten.
Die TMN hat als erstes Bundesland allen Akteuren eine KI-Plattform mit zahlreichen Modellen zugänglich gemacht und nutzt als erstes ein KI-Tool für die strategische Zielgruppenansprache. Woher kommt diese Begeisterung für technische Themen?
Meine Begeisterung für digitale Themen kommt nicht von ungefähr. Ich war immer in Branchen tätig, die für ihre Zeit technologisch neu und zukunftsweisend waren – vom Mobilfunk über das frühe Internet bei AOL bis hin zu TUI, wo ich den Internetauftritt vorangebracht habe und so die digitale Transformation im Tourismus mitgestalten konnte. Digitalisierung ist mehr als ein Werkzeug – sie ist die Grundlage für datenbasierte Steuerung und innovative Dienstleistungen. KI unterstützt uns dabei, Zielgruppen präziser zu verstehen, Prozesse effizienter zu gestalten und künftige Entwicklungen frühzeitig zu antizipieren. Begeisterung entsteht aber nur, wenn Technologien echten Mehrwert schaffen. Ich sehe KI zum Beispiel als Chance, Touristiker zu entlasten und gleichzeitig strategische Qualität zu gewinnen – das motiviert uns alle, in diesem Bereich Pionierarbeit zu leisten.
Mitarbeiter dürfen keine Angst haben, Fehler zu machen. Ganz im Gegenteil: Fehler sind Teil der Lernkurve – gerade heute, wo viel Neues auf uns einstürmt
Abgesehen von der Technik: Welche Skills brauchen Mitarbeiter heute, die vor 20 Jahren noch nicht nötig waren?
Agiles Denken, die Lust am Lernen und Mut zum Ausprobieren sind heute entscheidend. Unsere Teams sollen Gestalter sein: neugierig, entscheidungsfreudig und bereit, Verantwortung auch über die eigene Fachdisziplin hinaus zu übernehmen. Das war früher nicht so. Auch ist eine gewisse Datenkompetenz heute essenziell – ebenso die Fähigkeit, mit digitalen Systemen zu arbeiten und Ergebnisse einzuordnen. In dem Kontext ist mir wichtig zu betonen, dass Mitarbeiter keine Angst haben dürfen, Fehler zu machen. Ganz im Gegenteil: Fehler sind Teil der Lernkurve – gerade heute, wo viel Neues auf uns einstürmt. In Sachen Fehlerkultur würde ich mir wünschen, dass wir in Deutschland etwas amerikanischer werden. Die Angst, mit etwas Neuem zu scheitern, hemmt Fortschritt und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren. Nicht zuletzt brauchen wir Empathie, Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit.
Bitte führen Sie folgende Sätze fort:
Wenn wir als Organisation Aufgaben abgeben könnten, dann wären es…
bürokratische Dinge, die teils immer wieder abgewickelt werden müssen, sowie Aufgaben, die operativ vor Ort besser aufgehoben sind. Unsere Stärke liegt in Impulsen, Steuerung und Wissenstransfer.
Mit Blick in die Zukunft wird es im Destinationsmanagement wichtiger…
Lebensräume ganzheitlich zu denken: für Gäste, Bürger und Partner. Tourismus darf kein isoliertes System bleiben, sondern Teil regionaler Entwicklung sein.
Wenn wir in 10 Jahren zurückblicken, dann sollte Tourismus Niedersachsen …
die Organisation gewesen sein, die mit den Partnern im Land das innovativste Tourismusland Deutschlands gestaltet hat – vernetzt, nachhaltig und zukunftssicher aufgestellt.
Abschlussfrage: Worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie auf die Entwicklung der letzten Jahre in Ihrer Organisation schauen?
Darauf, dass wir aus einer klassischen Marketinggesellschaft oder Marketingorganisation eine lernende Netzwerkorganisation gemacht haben, die hohe Akzeptanz genießt. Auch, dass wir eine neue Kultur geschaffen haben, die getragen wird von den Regionen und Akteuren im Land. Wir bündeln heute Wissen, fördern Kooperationen und schaffen Strukturen, in denen Innovation, Qualität und Technologie zusammenfinden. Entscheidungsprozesse sind außerdem heute transparenter und die Zusammenarbeit partnerschaftlicher geworden. Niedersachsen denkt Tourismus heute gemeinsam, zukunftsgerichtet und mit einem klaren Ziel: Lebensräume zu gestalten, in denen Gäste und Einheimische gleichermaßen profitieren.
